Klima

Zürichsee: Im Sommer Hochwasser, jetzt Niedrigwasser

by MeteoNews AG

Im Juli gab es in grossen Teilen der Schweiz eine kritische Hochwasserphase zu überstehen. Auch der Zürichsee führte Hochwasser, die Gefahrenstufe erreichte 4 von 5. Zuvor im Frühling und bis in den Oktober hinein bewegte sich der Pegel des Zürichsees ungefähr im Schnitt des langjährigen Mittels. Der teils sehr trockene Herbst im Einzugsgebiet des Sees macht sich jetzt gegen Ende Jahr richtig bemerkbar.

Hannes Tobler

Wir erinnern uns, der Juli war viel zu nass (https://met.to/d54). An einigen Stationen war es der regenreichste Juli seit Aufzeichnungsbeginn (https://met.to/yng). Daraus folgte bei vielen Seen und Flüssen eine kritische Hochwasserphase. Auch der Zürichsee führte Hochwasser, die Gefahrenstufe erreichte 4 von 5 und die Schifffahrt musste vorübergehen eingestellt werden. Der Pegel des Zürichsees im Juli war aussergewöhnlich, es wurde der vierthöchste Wert der letzten 70 Jahre gemessen.

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Der Verlauf des Zürichseepegels dieses Jahres ist rot, das Tagesmaximum seit 1951 ist blau, der Durchschnitt ist grün und das Minimum ist schwarz eingefärbt. (Quelle: Abteilung Hydrology, BAFU, 10.11.2021)

Vorläufige Jahresbilanz: Nach dem Hochwasser nun ins Niedrigwasser?

Bereits Anfang Jahr gab es einen neuen Rekordwasserstand. Nach einem sehr schneereichen Januar folgte zum Monatsende Tauwetter mit Regen. (Mitteilung vom 27. Januar https://met.to/465). So wurden innerhalb weniger Tage grosse Wassermassen freigesetzt und erhöhten den Pegel um gut 20 Zentimeter. Der kühle und recht nasse Frühling sorgte in den Bergen für eine substanzielle Schneedecke. Diese konnte den Zürichsee bis in den Sommer hinein mit reichlich Schmelzwasser versorgen. Von März bis Mai sorgten wiederholte Regenepisoden kombiniert mit der üppigen Schneeschmelze für einen meist leicht überdurchschnittlichen Wasserstand. Die Witterung im Juni war dann zwar sehr warm und trockener, aber in diesem Monat glich die Schneeschmelze das Defizit gut aus. Trotzdem sank der Pegel dadurch allmählich unter die grüne Linie, die das Mittel markiert.

Die Ausgangslage vor dem grossen Regen war ein gut gefüllter See, dafür aber nur noch sehr wenig Schnee im Einzugsgebiet. Hätten wir die regnerische Phase ein oder zwei Monate vorher bekommen, wäre die Situation nochmals einiges schwieriger gewesen. Der Peak wäre in diesem Fall sehr wahrscheinlich noch höher ausgefallen. Im Juli sorgte eine ausgeprägte Troglage für eine sehr nasse und gewittrige Witterungsphase. Das Hochwasserereignis Mitte Juli geht als das vierthöchste in die Statistik seit 1951 ein. Vor 1951 gab es aber natürlich weitere und teils schlimmere Hochwasser.

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Hochwasser des Zürichsees, Foto: Mladen Marijanovic


Nach einem durchschnittlichen August und September macht sich nun allmählich die Herbsttrockenheit bemerkbar. Nach einem trockenen und warmen September (https://met.to/g6k) folgte ein noch trockenerer Oktober (https://met.to/n2h). Momentan befindet sich der Pegel im minimalen Bereich für Anfang November. Die nächsten zwei Wochen sehen aus heutiger Sicht meistens hochdruckbestimmt aus. Damit geht es voraussichtlich weiterhin zu trocken weiter. Die Schneedecke in den Bergen ist minim und versorgt den See in den nächsten Wochen nur mit wenig Zufluss. Wie schnell und wie weit der Pegel bis Ende Jahr sinkt, hängt dann zum grossen Teil davon ab, wie viel Wasser aus dem See entlassen wird. Der Zürichsee ist, wie viele andere Gewässer in der Schweiz, ein reguliertes Gewässer. Ein gewisser Abfluss muss aber auf jeden Fall weiter bestehen bleiben, sonst entstünden bei Stauwehren und bei der Flora und Fauna der Limmat grosse Probleme.


Auswirkungen von Niedrigwasser: Vielschichtig und weitreichend

Anhaltendes Niedrigwasser hat recht massive und weitreichende Folgen. Die direkten Folgen sind sinkende Energieproduktion, sinkende Grundwasserspiegel und auch wieder Probleme für die Schifffahrt. Bleibt es weiterhin trocken, dürfte bald auch die Rheinschifffahrt beeinträchtigt werden. Dies führt zu weiteren unangenehmen Folgen. Steigende Transportkosten von Gütern, die über den Rhein in die Schweiz gelangen, sind bei tiefem Wasserstand immer eine Auswirkung. Nach wie vor gelangen jedes Jahr viele Güter über den Rheinhafen bei Basel in unser Land. Ein Beispiel dafür ist das Benzin, welches sich bei tiefem Pegel recht bald verteuern wird.

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