Frost setzt blühenden Obstbäumen stark zu! (8. April 2021)

Frost setzt blühenden Obstbäumen stark zu!

10.26 Roger Perret

In der vergangenen Nacht gab es im westlichen Mittelland mässigen und im östlichen Mittelland leichten Frost. Damit haben das Flachland und die tiefergelegenen Alpentäler vielerorts bereits die dritte Frostnacht hinter sich, was den blühenden Obstbäumen stark zugesetzt hat. Morgen Freitag erwarten wir vielerorts nochmals etwas Frost, danach ist es am Wochenende frostfrei.

Wie MeteoNews in einer Mitteilung schreibt, war es in der vergangenen Nacht vielerorts schon zum dritten Mal im Flachland und in den tiefergelegenen Alpentälern frostig kalt. In der vergangenen Nacht war dabei vor allem das westliche Mittelland betroffen, da es hier in der Nacht meist klar war (Maximum in Mathod mit -7,2 Grad, siehe untenstehende Liste). Im östlichen Mittelland sanken die Temperaturen dagegen nicht so tief, da es lange dichtere Wolken hatte und zudem auch der Westwind für eine Durchmischung sorgte.

Tiefste Temperatur (<600m, Stand 08:00)

Berücksichtigte Zeitspanne der Hitliste (Schweiz, Liechtenstein) vom 8. April 2021, 00:00 bis um 08:00 (Dauer 8h)
Flachlandstationen Tiefste Temperatur (in °C)
Mathod (435 m ü.M., VD) -7.2
Meiringen (589 m ü.M., BE) -6.1
Meiringen (588 m ü.M., BE) -6.0
Thierachern (570 m ü.M., BE) -5.7
Mülchi (468 m ü.M., BE) -5.4
Giswil (475 m ü.M., OW) -5.3
Bern-Belpmoos (510 m ü.M., BE) -5.0
Delsberg (439 m ü.M., JU) -4.8
Rossemaison (453 m ü.M., JU) -4.8
Koppigen (484 m ü.M., BE) -4.8
Payerne (490 m ü.M., VD) -4.6
Bolken (496 m ü.M., SO) -4.5
Cressier (431 m ü.M., NE) -4.4
Hubersdorf (491 m ü.M., SO) -4.1
Alpnach (446 m ü.M., OW) -4.0
Genf (420 m ü.M., GE) -4.0
Interlaken (580 m ü.M., BE) -4.0
Würenlingen (334 m ü.M., AG) -3.9
Stabio (353 m ü.M., TI) -3.8
Mühleberg (483 m ü.M., BE) -3.7


Das Problem mit Spätfrösten ist übrigens in den letzten Jahren immer häufiger geworden, da es häufig schon früh im Jahr sehr mild bis warm wird und so die Vegetationsentwicklung durchschnittlich immer weiter fortgeschritten ist, sodass Fröste im April grössere Schäden verursachen können. Dies ist wohl auch eine Folge des aktuellen Klimawandels und wird sich in Zukunft wohl noch weiter häufen.

Nachfolgend noch einige Informationen bezüglich Frost und blühenden Obstbäumen.

Aktueller Stand der Vegetationsentwicklung
Zu Beginn der aktuellen Kälteperiode, die in der Nacht auf Dienstag begann, standen die Aprikosen- und Pfirsichbäume sowie die meisten Birnbäume bereits in Vollblüte. Dazu waren auch die meisten Kirschbäume am blühen, die Äpfel standen meist kurz vor der Blüte.

Wieviel Frost ertragen die Blüten?
Dies hängt vom Entwicklungszustand der Blüten ab. Sind die Blüten offen, dann können Frostschäden schon bei knappen Minusgraden vorkommen. In geschlossenem Zustand (was momentan bei den Äpfeln der Fall ist) ertragen die Blüten noch Temperaturen von -4 bis -2 Grad ohne grössere Schäden. Allerdings ist auch diese Temperatur lokal in den letzten drei Nächten unterschritten worden.

Wie wirkt Frost auf die Blüten und wie erkennt man Frostschäden?
Frost zerstört das Zellgewebe der Blüten. Bei Temperaturen unter 0 Grad wird durch die Bildung von Eiskristallen den Zellen Wasser entzogen, die Blüten dehydrieren und nach einer gewissen Einwirkungszeit sterben die Zellen ab. Die Blüten verfärben sich teilweise braun und fallen ab. Es kann auch sein, dass nur der Fruchtansatz geschädigt wird, von aussen scheinen die Blüten dann noch intakt.

Bezeichnung
Aktuelle Frostschäden an Birnbaum. Die geschädigten Blüten weisen dunkle Staubbeutel und braune Fruchtböden auf (oben rechts), die gesunden dunkelrote Staubbeutel und hellere Fruchtböden (unten halblinks).

Wie kann man blühende Obstbäume vor Frost schützen?
Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, von denen einige kurz erläutert werden sollen.
Vegetation kurz halten: Damit wird die Wärmeabstrahlung des Bodens erhöht. Hohe Vegetation isoliert den Boden, der dann weniger Wärme abstrahlen kann.
Kälteschutz anbringen: Kleine Obstbäume kann man durch Decken oder Vlies schützen, Niederstammkulturen durch Blachen, die über die Anlagen gezogen werden. Bei Hochstämmern kommen diese Schutzmassnahmen aufgrund der Grösse kaum in Betracht. Allerdings sind höhere Bereiche der Bäume weniger frostgefährdet, da sich die Kaltluft bei windschwachen Lagen am Boden sammelt und es hier dadurch am kältesten ist.
Kronenberegnung: Einige Obstkulturen sind mit Sprinkleranlagen ausgestattet, die für eine Bewässerung im Sommer sorgen. Diese müssen bei Temperaturen unter 0 Grad eingeschaltet werden. Durch den Gefrierprozess wird Wärme frei, und zudem werden die Blüten durch einen entstehenden Eispanzer geschützt.

Bezeichnung
Durch Beregnung vor Frost geschützte Apfelblüten (Quelle: fundus-agricultura.wiki)

Einsatz von Feuern oder Frostkerzen: Mit Feuern und Frostkerzen kann auch verhindert werden, dass die Temperaturen zu stark in den Minusbereich sinken. Diese Methode funktioniert aber nur, wenn es windschwach ist, sonst wird die Wärme durch den Wind zu schnell abgeführt.

Wie geht es in den kommenden Tagen weiter?
Morgen früh muss im Flachland nach einer vielfach klaren Nacht nochmals verbreitet mit etwas Frost gerechnet werden. Am Wochenende ist es dann frostfrei und tagsüber mit über 15 Grad frühlingshaft mild. Zu Beginn der Woche sorgt dann eine Kaltfront für eine markante Abkühlung, dahinter ist auch Schnee bis ins Flachland möglich. Mitte der kommenden Woche ist dann Morgenfrost wieder wahrscheinlich, das Frostproblem ist somit noch nicht vorbei. So langsam werden dann auch die Apfelbäume und noch später die Reben in ein Stadium kommen, wo Frost zur Gefahr wird. MeteoNews hält Sie wie immer auf dem Laufenden.

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