Turbulente Zeiten (1. Oktober 2020)

Turbulente Zeiten

9.11 Klaus Marquardt

Orkan Brigitte tobt sich morgen über Frankreich aus und wird dort leider für negative Schlagzeilen sorgen. Auch bei uns in der Schweiz prägt dieser Sturm massgeblich das Wettergeschehen. Im Süden regnet es anhaltend und intensiv, auf der Alpennordseite bläst der Föhn.

Aktuell herrscht über Nordwesteuropa rege Tiefdruckaktivität, zwischen den Britischen Inseln und Island bilden sich immer neue Tiefdruckzentren. Im Laufe des heutigen Donnerstags bildet sich über dem Atlantik vor der Küste der Bretagne ein neues Randtief, welches sich in kommenden Stunden rasch verstärkt – die Geburt von Orkan Brigitte.

Bezeichnung

Freitag 00 UTC

In der Nacht und morgen Freitag liegt sein Zentrum über der Bretagne und sorgt speziell entlang der Atlantikküste für Böenspitzen über 150 km/h. Die Schweiz liegt auf seiner Vorderseite im Bereich einer starken südlichen Strömung. Auf diesem Weg gelangt zwar milde, aber auch mit Feuchtigkeit vollgesogene Mittelmeerluft in den Alpenraum. Sie staut sich hier entlang des Alpensüdhangs, intensive Niederschläge sind die Folge. Diese dauern bis in den Samstagvormittag hinein an und lassen um die Tagesmitte vorübergehend nach, im Laufe des Samstagnachmittags und -abends beginnt es wieder häufiger zu regnen. Der Niederschlagsschwerpunkt liegt aus aktueller Sicht über dem Piemont, hier ergeben sich bis Samstagabend zum Teil über 250 mm Regen. Auf der Südseite des Simplon, dem Cento Valli, Teilen des Locarnese, sowie dem Maggia-, Verzasca- und Bedrettotal sind über 200 mm möglich! Im östlichen Tessin und dem Misox sind die Mengen zwar etwas geringer, trotzdem schüttet es auch hier zum Teil wie aus Kübeln. Bach- und Flusspegel steigen in der Folge stark an, kleinräumige Erdrutsche und Vermurungen sind wahrscheinlich. Diese Niederschläge greifen auch in die nördlich angrenzenden Regionen über, so regnet es beispielsweise im Rheinwald und der Gotthardregion häufig.

Bezeichnung

48 stündige Niederschlagsmengen bis Sonntag 00 UTC

In den Föhntälern der Alpennordseite bläst starker Föhn, im Urnerland und Teilen des Rheintals sind Böen über 100 km/h möglich. Auf den Bergen tobt ein veritabler Sturm, in exponierte Lagen wie beispielsweise dem Gütsch gibt es Böenspitzen zwischen 150 und 180 km/h!

Bezeichnung

Freitag 18 UTC

In der Nacht zum Samstag lässt der Föhnsturm nach, die Niederschläge breiten sich im Norden zunehmend aus. Die Schneefallgrenze liegt dabei noch lange Zeit in Höhen um oder über 2000 Meter, am Samstagmorgen sinkt sie aber mit dem Durchzug einer Kaltfront von Westen her auf 1500 Meter oder knapp darunter. Am Samstagvormittag regnet es in der Zentral- und Ostschweiz sowie in Graubünden noch häufig und zum Teil kräftig, am Nachmittag beruhigt sich das Wetter in dieser Hinsicht. In der Romandie trocknet es bereits am Vormittag zusehends ab, allerdings bleibt es weiterhin windig.

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