Die heissen Fakten zum Dürresommer 2018 (30. August 2018)

Die heissen Fakten zum Dürresommer 2018

17.31 Nikola Ihn

Der Sommer 2018 zeigte sich von seiner sonnigen Seite. Mit örtlich über 200 Stunden mehr Sonne und einem Temperaturüberschuss von 2 bis 3 Grad im Vergleich zum langjährigen klimatologischen Mittelwert kamen auch die Daheimgebliebenen in den Genuss eines mediterran anmutenden Sommers. Damit geht er als drittwärmster Sommer in die Schweizer Geschichtsbücher ein. Die Kehrseite dessen war jedoch die grosse Trockenheit, welche in den Monaten Juni, Juli und August in der ganzen Schweiz vorherrschte. Örtlich fielen dabei weniger als 50% des normalerweise üblichen Niederschlags.

Der diesjährige Sommer war deutlich zu warm. In den Monaten Juni, Juli und August wurde das klimatologische Mittel jeweils um 2 bis 3 Grad übertroffen. Damit reiht sich der Sommer 2018 zwar nahtlos in den Trend der letzten Jahre ein. Ein Rekordsommer war es jedoch temperaturmässig nicht, der Sommer 2003 liegt weiterhin unerreichbar an der Spitze. Besonders der Juni konnte demjenigen von 2003 nicht das Wasser reichen. Im Jahr 2003 wurde verbreitet ein Temperaturüberschuss von 5 bis 6 Grad erreicht, 2018 konnte "lediglich" ein Überschuss von etwa 2 Grad verzeichnet werden. Im Juli dagegen wurden die Temperaturen von 2003 häufig übertroffen. Die grössten Abweichungen vom Mittelwert wurden dieses Jahr in Basel mit 2.7 Grad, in Chur mit 2.6 Grad und in Sitten mit 3.2 Grad erreicht. Die Durchschnittstemperaturen im Juli 2003, welche nicht ganz so extrem waren wie im Vormonat, konnten damit an vielen Stationen getoppt werden. Der August 2018 war verbreitet etwa 3 Grad zu warm, damit kommt er dem August 2003 nahe, aber erreicht ihn nicht ganz. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 20.9 Grad in Chur und 20.5 Grad in Zürich wurde das klimatologische Mittel in diesem August um 3.2, respektive 3.3 Grad übertroffen. Im August 2003 betrugen die Abweichungen jedoch verbreitet über 4 Grad. Damit präsentiert sich der Sommer 2018 zusammengefasst deutlich zu warm und geht damit als drittwärmster Sommer in die Geschichtsbücher ein. Die grössten Abweichungen vom Sommer-Mittelwert wurden gesamthaft in Sitten mit 3.1 Grad und in Chur mit 2.7 Grad verzeichnet, am geringsten war die Differenz mit 1.3 Grad in Samedan. Allgemein fielen an den Bergstationen und im Tessin die Abweichungen etwas geringer aus als im Flachland. In den Monaten Juni, Juli und August wurden zudem deutlich mehr Hitze- (Temperatur >30 Grad) und Sommertage (>25 Grad) registriert, als normalerweise erwartet werden. In Zürich beispielsweise wurden im Sommer 2018 25 Hitzetage gezählt, erwartet werden dort normalerweise im ganzen Jahr nur 9. Auch die registrierten Sonnenstunden bestätigen dieses Bild des Sommers. Verbreitet wurde die normalerweise übliche Anzahl Sonnenstunden übertroffen. Am meisten schien die Sonne in Genf, dicht gefolgt von Sitten und Lugano. Die grössten Abweichungen, von zum Teil über 200 Sonnenstunden mehr, wurden in Basel, Genf, Lugano und in St. Gallen gemessen, dort schien die Sonne sogar mehr als im Jahr 2003. An den meisten anderen Stationen konnte die Anzahl Sonnenstunden aus 2003 jedoch nicht erreicht werden. Passend zur Temperatur konnte auch hier die Station Samedan die kleinste Abweichung von der Norm verzeichnen.

Prägend war diesen Sommer vor allem die Trockenheit, welche in der ganzen Schweiz zu erhöhter Waldbrandgefahr und teilweise auch Wasserknappheit führte. Es fiel verbreitet nur rund die Hälfte des normalerweise üblichen Niederschlags. Besonders trocken war es in Chur, wo nur gerade 30% der langjährigen Durchschnittsmenge fielen. Tendenziell lässt sich erkennen, dass besonders die Stationen im Osten der Schweiz wenig Niederschlag erhalten haben, beispielsweise Chur, Zürich, Samedan und Säntis. Dort war der Sommer 2018 auch häufig trockener als im Jahr 2003. Im Westen fiel etwas mehr Niederschlag, trotzdem lag die Menge noch deutlich unter dem klimatologischen Normwert. Unter dem Defizit litten vor allem die Pflanzen, an einigen Orten konnte an Bäumen bereits eine sonst für den Herbst übliche Verfärbung der Blätter beobachtet werden. Zudem war die Waldbrandgefahr in der ganzen Schweiz gross bis sehr gross, einige Kantone erliessen Feuerverbote. Damit waren auch die Feuerwerke am 1. August eingeschränkt.

Das Wetter war in diesem Sommer bestimmt durch zwei vorherrschende Wetterlagen. Einerseits lag die Schweiz oft unter einer flachen Druckverteilung. Dabei war es tagsüber meist sonnig und heiss, jedoch wurde auch die Entstehung von teilweise kräftigen Gewittern begünstigt. So gingen besonders im Juni einige Gewitter über der Schweiz nieder. Diese brachten jedoch nur lokal und für kurze Zeit heftige Niederschläge, welche meist oberflächlich abflossen und somit nicht viel gegen die grossflächige Trockenheit ausrichten konnten. Ebenfalls für trockene Verhältnisse sorgte die besonders in der zweiten Sommerhälfte vorherrschende Hochdrucklage. Diese blieb lange Zeit ungestört, im ganzen Sommer zog keine richtige Front über die Schweiz. Somit waren die Bedingungen für hohe Temperaturen, viel Sonnenschein und wenig Regen ideal.

Betrachtet man den Trend der letzten Jahre, ist zu erwarten, dass solch heisse und trockene Sommer in Zukunft zur Regel werden dürften.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Sendung Saisonrückblick auf dem Schweizer Wetterfernsehen wetter.tv.


Grafiken zum Sommer 2018

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Der Grösse nach übereinandergelegte Niederschlagssummen der Sommer 2003, 2018 und des klimatischen Mittels. Bezeichnung

Der Grösse nach übereinandergelegte Sonnenstunden der Sommer 2003, 2018 und des klimatischen Mittels.


Messwerte zum Sommer 2018

Temperaturen Sommer 2018

Messstation Sommer 2018 Ø 1981-2010 Überschuss/Defizit
Basel 21.3°C 18.7°C +2.6°C
Bern 19.7°C 17.3°C +2.3°C
Aarau 20.5°C 18.1°C +2.4°C
La Chaux-de-Fonds 16.5°C 14.3°C +2.2°C
Chur 20.9°C 18.2°C +2.7°C
Genève 21.3°C 19.1°C +2.2°C
Zürich 20.5°C 17.9°C +2.6°C
Lugano 23.0°C 21.1°C +2.0°C
Luzern 20.7°C 18.1°C +2.6°C
Säntis 7.2°C 5.3°C +1.9°C
Samedan 12.5°C 11.2°C +1.3°C
Sitten 22.2°C 19.1°C +3.1°C
St. Gallen 18.4°C 16.3°C +2.1°C
Vaduz 20.7°C 18.2°C +2.5°C

Niederschlagsmengen Sommer 2018

Messstation Sommer 2018 Ø 1981-2010 Überschuss/Defizit
Basel 147 mm 257 mm -110 mm
Bern 251 mm 333 mm -82 mm
Aarau 231 mm 332 mm -101 mm
La Chaux-de-Fonds 301 mm 386 mm -85 mm
Chur 97 mm 314 mm -217 mm
Genève 200 mm 253 mm -53 mm
Zürich 174 mm 333 mm -159 mm
Lugano 288 mm 497 mm -209 mm
Luzern 280 mm 404 mm -124 mm
Säntis 417 mm 794 mm -377 mm
Samedan 153 mm 282 mm -129 mm
Sitten 133 mm 169 mm 36 mm
St. Gallen 382 mm 489 mm -107 mm
Vaduz 193 mm 385 mm -192 mm

Sonnenstunden Sommer 2018

Messstation Sommer 2018 Ø 1981-2010 Überschuss/Defizit
Basel 833 h 625 h +208 h
Bern 851 h 657 h +194 h
Aarau 764 h 612 h +152 h
La Chaux-de-Fonds 728 h 592 h +136 h
Chur 687 h 565 h +122 h
Genève 906 h 720 h +186 h
Zürich 811 h 642 h +169 h
Lugano 864 h 717 h +147 h
Luzern 752 h 559 h +193 h
Säntis 523 h 500 h +23 h
Samedan 597 h 556 h +41 h
Sitten 874 h 758 h +116 h
St. Gallen 807 h 602 h +205 h
Vaduz 666 h 541 h +125 h

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